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mit den ſchmerzlichſten Gefühlen kämpfend; endlich ſagte er mit leiſer Stimme:„Aber die Ehre! die Ehre, mein Vater!“* —„Glaubſt du, ein übereiltes und ſchier kindiſches Verſprechen halten ſei Pflicht der Ehre? König Ludwig hat dir geſchmeichelt, um wegen ſeines Raubes von
Mailand Ruhe vor Oeſtreich zu haben. Es hat dir
am franzöſiſchen Hofe gefallen, die ſchönen Prinzeſſin⸗ nen haben nicht ſpröde gegen dich gethan. Die Kö⸗ nigin iſt eine reizende, freundliche Dame(wie beſſer wäre es für uns alle, ſie wäre deutſche Königin!), alle Annehmlichkeiten des Lebens ſind dir dort entgegen⸗ gekommen und ſo thatſt du mehr als dir zuſtand; du ließeſt dich fangen, mein Sohn, und wußteſt es nicht, und nicht allein die Eroberung von Mailand ſollte in Blois mit ſüßen Worten und zärtlichen Blicken befeſtigt, auch die Provinzen Baſilicata und Capitanata ſollten hier ſo leicht und anmuthig erobert werden. Du warſt ſchwach und willſt es nicht eingeſtehen; aber du wirſt nicht von Ferdinand und Iſabella verlangen, daß ſie deiner Schwäche Opfer bringen ſollen zu deinem eignen Schaden! Du wirſt nicht ſo wahnſinnig ſein, die ganze Zukunft Oeſtreichs deinem kindiſchen Eigenſinn dieſen von Spanien verlangten Opfern hinzuzufügen! Beſtehe nur auf deinem Kopf, die ſpaniſchen Könige laſſen dich fallen. Zur rechten Zeit hat ihre Tochter einen Prin⸗ zen auf ſpaniſchem Grund und Boden geboren, den ſie


