Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Philipp von Oestrich : Roman in drei Theilen : Die Reise nach Spanien : 2. Theil (1846)
Entstehung
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Die Reiſe

deine Mutter, zu freien, kannte ich ſie noch nicht, wußte nicht, ob mein Herz auch eine Anſprache an ſie finden würde. Daß es ſo kam, war Zufall und Glück. Ich habe dies Glück kurz genug genoſſen, es war bald wie ein Traum entſchwunden. Und welche Demüthi⸗

gungen mußte ich mir von dieſen trotzigen Niederlän⸗

dern gefallen laſſen! Ich ſaß ſechzehn Wochen in ihrer Haft; ſie enthaupteten meine treueſten Diener und Freunde vor meinen Augen. Ich ertrug Alles; wes⸗ halb? um Oeſtreich groß und reich zu machen. Ich

wollte mich mit der Erbin von Bretagne vermählen,

ein tückiſcher Feind vereitelte dieſen herrlichen Plan. Hab' ich damals mein Herz befragen dürfen? Es galt Oeſtreichs Vergrößerung und das Herz mußte ſchwei⸗ gen. Als ich dich und Gretchen an die ſpaniſchen Kin⸗ der vermählte, geſchah es, um Oeſtreichs Glanz und

Macht feſter zu begründen; dieſe Spanier ſind die mächtigſten Fürſten Europa's. Und wie wendete das Schickſal auf eine wunderbare, nie geahnete Weiſe mei⸗

nen Plan zu Glück und Ruhm, zu Reichthum und Macht Oeſtreichs! Es macht dich zum König von Spanien. Und du haderſt mit dieſem Schickſal, weil

dein Herz nicht gefragt wurde; du weinſt wie ein thö⸗

richter Minneknabe, weil du dein Schätzchen nicht zum Weibe erkieſen durfteſt; du entzweiſt dich mit dem ſpa⸗ niſchen Königspaar, weil es die in Neapel gemachten Eroberungen nicht unſerm alten Erbfeind, dem fran⸗