Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Philipp von Oestrich : Roman in drei Theilen : Die Reise nach Spanien : 2. Theil (1846)
Entstehung
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Die Reiſe

Meunzehntes Rapitel.

Eine bittre Täuſchung wartete in Innsbruck auf den

Erzherzog. Allzuſehr mit ſeinen eignen Angelegenheiten beſchäftigt, hatte ſeine Jugend kein Auge für die An⸗ gelegenheiten ſeines Vaters gehabt oder ihnen nicht die Wichtigkeit beigelegt, die ſie wirklich beſaßen. Philipp war viel zu leichtſinnig, viel zu flatterhaft, ein viel zu leidenſchaftlicher Verehrer des ſchönen Ge⸗ ſchlechts und vor Allem: er war erſt vier und zwanzig Jahre alt, um ſchon jetzt ein umſichtiger, ſtaatskluger Regent zu ſein. Die Unruhen in den Niederlanden und Holland, ſein Augenmerk auf Frankreich und Spa⸗ nien, die neapolitaniſchen Händel der beiden Höfe und das vielfache Unangenehme und Schmerzliche, das er auf ſeiner langen Reiſe hatte erfahren müſſen, dies Alles hatte ihn den deutſchen Angelegenheiten ſeines Vaters entfremdet. Mit dem vollen, ſchwerbedrängten Herzen, an Ehre und Liebe auf das tiefſte gekränkt, umarmte er den Vater und weinte an deſſen Bruſt.