328 Die Reiſe
—„Ew. Hoheit iſt nicht mein Gefangener,“ ver⸗ ſetzte Ludwig,„und nichts ſteht Eurer Abreiſe zu Euern Lieben im Wege. Es bedarf deshalb Euers Ehrenworts zu Eurer Rückkehr nicht. Eure eigenen Länder verlangen nach ihrem Herrſcher. Ihr ſeid über Jahr und Tag ſchon abweſend, wollt Ihr aber an meinen Hof zurückkehren, ſo werdet Ihr ſtets als mein geehrter Gaſt betrachtet werden. Ihr habt jeden Ver⸗ dacht gegen Eure Rechtlichkeit aus meiner Bruſt ent⸗ fernt und Euch gänzlich gerechtfertigt. Deshalb ent⸗ binde ich Euch jedes mir gegebenen Wortes. Schon rüſte ich den Krieg gegen Spanien und meine Truppen ziehen nächſter Tage den Pyrenäen zu. Euch aber rathe ich, verfeindet Euch nicht gänzlich mit Euern Schwiegereltern. Man findet die Königskronen nicht auf allen Wegen und vor Allem laßt es Eurer unſchul⸗ digen Gemahlin nicht entgelten, ſie iſt ja ohnedies un⸗ glücklich genug. Was Ihr im Zorn und Leidenſchaft geſprochen, werden prüfender Verſtand und menſchliches Gefühl verwerfen. Zieht mit Gott und erhaltet mir Eure Freundſchaft. Ich und die Königin wir haben Euch wahrhaft ſchätzen und lieben gelernt.“
Der Erzherzog beugte ſich gerührt auf die Hand des Königs, um ſie dankbar zu küſſen; es fielen ein Paar Thränen darauf. Das ſchöne und tiefe Gefühl der Jugend war wieder in ihm mächtig und ſein edles deutſches Herz floß über in tief empfundene Dankſagun⸗


