12 Die Reiſe
nig von Frankreich, nahm nicht nur die Krone und die ſchöne Witwe ſeines Vorgängers in Beſitz, er betrach⸗ tete ſich auch als Erben der Anſprüche Karl's VIII. auf die neapolitaniſche Krone, ſowie er ſeine eignen An⸗ ſprüche auf das Herzogthum Mailand mit Kraft und Erfolg betrieb. Es hatte ſich nun einmal die Anſicht feſtgeſtellt, daß dieſe unechten Arragonier kein Recht auf Neapel hätten und König Friedrich vom Thron ent⸗ fernt werden müßte. In der That war Friedrich, wie ſeine Vorgänger, nur von Ferdinand's des Katholiſchen tapferm General, dem berühmten Großcapitain Gonſalvv Fermandez de Cordova, der auch Karl VIII. vertrieben hatte, geſchützt und gehalten. WVollte alſo König Lud⸗ wig KlI. ſeine Anſprüche auf Neapel geltend machen, ohne ſich dem ungewiſſen Looſe eines Kriegs mit Fer⸗ dinand dem Katholiſchen auszuſetzen, ſo mußte er die⸗ ſen auf friedlichem Wege zu gewinnen ſuchen. Und dieſen Weg ſchlug König Ludwig ein, als er ſich bald nach ſeiner Thronbeſteigung mit Ferdinands Schwieger⸗ ſohn, dem Erzherzog Philipp von Oeſtreich und Burgund auf das innigſte zu befreunden ſuchte. Seit zwei Jah⸗ ren hatten nun ſchon nachbarlich freundliche Beziehun⸗ gen zwiſchen dem franzöſiſchen und dem burgundiſchen Hofe ſtattgefunden, und ſchon waren von Seiten des erſtern Anträge geſchehen, die zweijährige Prinzeſſin Claude de France, die Tochter Ludwigs und Anna's von Bretagne, mit Philipps Sohne, dem Prinzen Karl


