10 Die Reiſe
Da wande ſich Ludwig an den abenteuernden König Karl von Frankreich, rief demſelben die alten und ver⸗ alteten Anſprüche des ausgeſtorbenen Hauſes Anjon auf den neapolitaniſchen Königsthron ins Gedächtniß und ſtachelte ihn zu jenem abenteuerlichen Ritterzuge auf, der in der zweiten Hälfte des Jahres 1494 zu Stande kam. König Ferdinand von Neapel erlebte denſelben nicht; denn er ſtarb ſchon im Januar dieſes Jahres und hinterließ die Kronen beider Sicilien ſeinem Sohne Alfons Il. Dieſer wurde aber von dem ſiegreichen König von Frankreich vertrieben und floh nach Siei⸗ lien, wo er, noch kein Jahr lang König, wenige Mo⸗ nate darauf vor Kummer ſtarb. Der unglückliche Al⸗ fons ll. hinterließ einen Sohn Ferdinand und einen Bruder Friedrich; der Erſtere vermochte als König
von Neapel dem reißenden Glücksſtrom des franzöſiſchen
Königs nichts entgegen zu ſetzen. Er mußte mit ſeinem Oheim Friedrich das ſchöne Neapel ebenfalls verlaſſen. Aber ſo ſchnell Karl VIII. Neapel gewonnen hatte, ſo ſchnell verlor er es wieder; denn der Herzog von Mai⸗ land Ludwig, der den franzöſiſchen König zu dem Er⸗
oberungszug nach Neapel vermocht, fürchtete jetzt das
ſchnelle Glück deſſelben, fürchtete, daß der Herzog Lud⸗ wig von Orleans, der ſich beim franzöſiſchen Heere befand, ſeine gerechten Anſprüche an Mailand geltend machen werde, und brachte deshalb ein Bündniß gegen die Franzoſen zwiſchen dem Papſt und andern italieni⸗
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