von Antwerpen. 305
Zitternd verſetzte der Junker:„Wol hab' ich ihn trotz ſeiner Vermummung erkannt. Auch kann es kein Anderer ſein; denn ich habe ihn dieſe halsbrechenden Stückchen oft genug einüben ſehen. Es iſt der Stall⸗ junge meiner gnädigſten Frau.“
—„Der Stalljunge?!“ riefen der Erzherzog und von Croy zu gleicher Zeit.„Woher hat er die fremd⸗ ländiſchen prächtigen Kleider, der verwegene Burſche?“ fragte der Fürſt weiter.
—„Das weiß ich nicht. Er hat ſich auch das Geſicht unkenntlich gemacht und ſeine dunkle Zigeuner⸗ farbe mit weißer und rother Schminke übermalt. Ebenſo wenig ſind die Locken auf ſeinem Kopfe gewachſen, denn er hat Haare wie ein Rappe.“
—„Ich will nicht hoffen, daß mein Gretchen et⸗ was von dieſem Streiche weiß, wodurch die edelſten Männer ihres alten und neuen Vaterlandes beſchimpft werden?“ fragte Philipp ernſt.
—„Wie kannſt du mir eine ſolche Bosheit oder wenigſtens Unklugheit zutrauen?“ verſetzte ſie em⸗ pfindlich.
—„Du haſt dieſen frechen Buben durch allzu viel Gnade verwöhnt. Ritter Croy, folgt meinem Pagen und ſucht den Wicht auf, um ihn durchpeitſchen zu laſ⸗ ſen. Er muß doch des Danks theilhaftig werden.“
Der Ritter und der Page entfernten ſich ſchnell; über die Wangen der jungen Herzogin glitten ein paar
Ein deutſcher Leinweber. I. 20


