Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Philipp von Oestrich : Roman in drei Theilen : Die schöne Kaufmannsfrau von Antwerpen : 1. Theil (1846)
Entstehung
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2 Die ſchöne Kaufmannsfrau

des genialen Schöpfers der Oelmalerei, und ſeiner Schüler.

Schränke von herrlicher Holzſchnitzerei mit geſchliffe⸗ nen venetianiſchen Spiegelglastafeln und drinnen hin⸗ ter den glänzenden Scheiben dicht geſchart in prunken⸗

der Zuſammenſtellung goldene, ſilberne und kryſtallene

Gefäße aus den Werkſtätten der Gold⸗ und Silber⸗ ſchmiede Angsburgs und Nürnbergs und der Stein⸗ ſchneider Lyons; Ringe, goldene Ketten, geſchnittene Steine, Alabaſtergeräth und Schmuck aus Oſtindien, prachtvolle Muſcheln von den Ufern der ſüdlichen, Bern⸗ ſteinſchalen und Zierrath von denen der nördlichen Meere.

Und welch eine Pracht und Herrlichkeit zur Schau geſtellt auf den marmornen Kaminſimſen! Kleinere Oel⸗ und Waſſerfarbenbilder, Schnitzwerk und metallene Ge⸗ bilde, geſchmiedet und gegoſſen, und tauſenderlei koſt⸗

barer Tand. Zwiſchen dem Geräth hohe prächtige Spie⸗

gel, wie ſie im funfzehnten Jahrhundert nur Venedig zu liefern vermochte, dem es im ſechzehnten die Bra⸗ banter in dieſem wie in andern Stücken nachthaten und es übertrafen. Hier und dort und überall kunſt- und werthvolles Kleinod, maſſive, großartige Bauart, ſtei⸗ nerner Bildſchmuck, an Spitzbogen ſich aufrankend und in kunſtvoll durchbrochenen Roſen endigend. Aber auch belebt ſind dieſe mit Pracht und Lurus überladenen

Räume. Hier kreiſcht ein gelbgehaubter Kakadu von

den oſtindiſchen Inſeln ſeine wilden Töne und ſchüttelt