Teil eines Werkes 
2. Theil (1836) Des Sternes Wachstum, oder Der Märtyrer / von Ludwig Storch
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ren Frauen und Jungfrauen eine Luſtfahrt nach der Inſel unternommen, Thamar ſich aber ſtandhaft geweigert, dies Vergnügen zu theilen und ohnlängſt allein in den Berggarten gegangen ſei. Zipora er⸗ griff dieſe Gelegenheit begierig, um die Schweſter allein zu ſprechen und auszuforſchen. Sie wanderte aus der Stadt, die grüne Höhe hinan. Unhörbaren Schritts war ihr die Nacht vorangeeilt, und hatte die üppige Pracht des Bergreviers in dunkle ſchüz⸗ zende Hüllen gelegt. Als ſie durch die Orangengänge des Gartens ſchritt, vernahm ſie Harfentöne, und ließ ſich von denſelben zu einer Laube leiten, in wel⸗ cher Thamar allein ſaß, das ſchöne Haupt ſchwer⸗ müthig geſenkt, die Hand den Saiten ſchmerz⸗ liche Töne entlockend. Zipora ſtand lauſchend und

vernahm die Seufzer der Schweſter, die wie düſtere

Fragzeichen ſich an die Saitenklänge reiheten. Doch bald wurde der Schmerz der ſich einſam Wähnenden zu Worten; ſie mochte die Laſt des ſelben nicht ſtumm ertragen können. Es war nicht Rede, es war nicht Geſang, es war ein blutiges Weinen, in Worten ausgegoſſen, das unter dem Rauſchen herzzerſchneiden⸗ der Accorde aus der leidenbedrängten Bruſt hervorbrach.