Teil eines Werkes 
2. Theil (1836) Des Sternes Wachstum, oder Der Märtyrer / von Ludwig Storch
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in ſeiner Entwicklung belauſcht, er kannte das reine Gemüth, das in dieſer edlen Form ſich barg und wußte, daß Freude und Schmerz ſich gleich ſcharf in Thamars Zügen ausprägten. Bald beſchlich ihn eine Ahnung, es möge zwiſchen den Neuvermälten nicht Alles ſein, wie es ſollte; er hatte deshalb ein bevbachtendes Auge auf die junge Frau gerichtet, und ihr geheimer Kummer entging ihm nicht. Der Wahn, als rühre Thamars Trübſinn von Rahels Unglück her, mußte bald verſchwinden, da die Letztere auf dem Wege der Geneſung war, und Thamar ihr keineswegs mehr die frühere innige Anhänglichkeit zeigte. Der ſchlaue Rabbi vermuthete, der Grund jenes geheimen Grams müſſe in den ehelichen Verhältniſſen ſeiner Schüterin liegen, und ſeine Seele begann mit einiger Freude zu ahnen, die Gelegenheit ſich ſeines ſtillgenährten Rachegefühls zu entäußern, möchte ſich mit umſichtiger Benutzung der Umſtände bald aus Thamars geheimen Leiden herausſpinnen laſſen. Vor allem mußte er auszu⸗ forſchen ſuchen, welches der Grund jener Leiden ſei, und dies war nicht leicht, indem Thamar ſie, wie

ihm keines Wegs entging, jedem Auge zu verbergen II. 3