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älter war als Thamar, ſo hatte ſie ſchon mit meh⸗ reren Männern Umgang gehabt, während dieſe noch zart erröthend ihr Auge vor jedem männlichen Blicke ſenkte, den ihres alten Vaters ausgenommen. Rahel fühlte ſich weniger zu Thamar hingezogen, als dieſe zu jener. Es war dem zarten Weſen Bedürfniß, ſich hülfe⸗ und ſchutzſuchend an ein ſtärkeres ihres Geſchlechts anzulehnen, ſo wie die ſchwache Wein⸗ pflanze die kräftige Ulme zur Stütze ſucht. Das zagende Mädchen konnte ſich ohne Rahel kaum öffent⸗ lich zeigen. Sie war ſo kindlich ſcheu und ſelbſt in ihren Vergnügungen und Spielen, ſobald ſie ſich dem Auge des Fremden ausgeſetzt ſah, ſchüchtern und furchtſam. Hatte ſie aber Rahel zur Seite, ſo gewann ſie plötzlich die Kraft, die ihr fehlte, dann war ſie unbefangen, herzlich, ſchalkhaft, ſelbſt in der fremdeſten Umgebung. So ſchien es, bilde Rahel gewiſſermaßen Thamar's Ergänzung und Vollendung. Der alte Roſanes hatte dieſes ſeltſamen Umſtandes wegen ſchon mehrmals gegen ſeinen Handelsfreund Curbano den Wunſch geäußert, Rahel ganz zu ſich in's Haus zu nehmen und als eigne Tochter anzu⸗ ſehen und auszuſtatten, doch hatte der ſcharfſichtige


