Aus dem größten, reichſten und ſchönſten Zelte, das gleichſam mit perſiſcher Königspracht überladen war, ging ein junges Mädchen in der Mitte ihrer Geſpielinnen hervor, deren Anzug und natürliche Reize trefflich mit dem Glanze der Hütte überein⸗ ſtimmten; denn wie dieſe für einen König gebaut ſchien, ſo glaubte man in jener die Tochter oder die Geliebte eines Königs zu erblicken. Im koſtbar⸗ſtol⸗ zen Nativnalputz, ſo wie einſt die vornehmſten Hebräerinnen, zur Zeit der Römerherrſchaft, an den hohen Feſttagen, durch Jeruſalems Straßen gewandelt, erſchien auch jetzt noch, über anderthalb⸗ tauſend Jahre ſpäter, Thamar, die jüngſte und rei⸗ zendſte Tochter des Kaufmanns David Roſanes, des reichſten Juden in Smyrna. Sein war die köſtliche Hütte, ſein war der Verg und der Hain, auf und in welchem die Laubenſtadt erbaut war, ſein waren viele Schiffe, die den Archipel durchkreuzten und das italiäniſche Meer. Roſanes war ein Fürſt an Reich⸗ thum, ein König der Kaufleute; denn Schätze ſind eine Macht auf Erden, der Beſitz der gewaltigſte Herrſcher über die Gemüther der Menſchen. Tha⸗ mar, des reichen Mannes Lieblingskind, war als
Teil eines Werkes
1. Theil (1836) Des Sternes Aufgang, oder Der Lehrer der Kabbalah / von Ludwig Storch
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