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Wange, die Hofräthin ſchuttelt ihm die Hand. Der dicke Theolog lacht aus vollem Halſe.
„Die Lady Anna Wilmeſon, genannt Golding, Tochter des verehrten Paares und Braut des Regie⸗ rungsſecretairs Schmerzing.“ Anna verneigte ſich hold lächelnd und ſanft erroͤthend. Das Wort Braut erhob den Hofrath in den Pimmel; denn uͤber die entſetzliche Lordſchaft war ihm aller Muth vergangen. Er vergaß das ſteife Compliment, vergaß die Staats⸗ lioree und druͤckte Anna an ſich. Die Hofraͤthin wußte vor Freude nicht, was ſie anfangen ſollte, gab ijedem die Hand, kuͤßte wer ihr vorkam und gratulirte an einem weg. Wolframm wollte ſich ausſchuͤtten uͤber ihren wunderlichen Kopfputz, ſo daß Marie dar⸗ auf aufmerkſam wurde, und ſie der Coiffure entle⸗ digte. Man fing nun an, ſich auszubreiten. Der alte Martin keuchte ſich faſt zu todt; er lief Trepp auf, Trepp ab und ihm folgte die ganze Dienerſchaar. Alle Zimmer wurden ſo ſchnell und ſo gut es ſich machen ließ, zurecht gemachtjund in einigen Stunden war Hofraths ganzes Haus beſetzt. Am anderen Tage, als ſich die Geſellſchaft einigermaßen ausge⸗ ruht hatte, kam es an das Erzählen. Die Mutter Schmerzing wollte ein wenig ſchmollen, daß ihr Wil⸗ helm ſogar nichts von den Verhältniſſen geſchrieben hatte, aber man ſah bald, daß es ihr Ernſt nicht war. Ihre Freude war zu groß; ihre Neugierde noch groͤßer. Sie hatte zu viel zu horen und zu er⸗ fahren. Da wurde denn nun Alles genau und um⸗


