nehmen. Anna war nicht wohl und konnte nicht mitreiſen; auch hatte ſie eben, durch Deine Verſuche in der Malerei begeiſtert, bei einem hieſigen Ma⸗ ler unterricht genommen, den ſie nicht unterbrechen wollte, damit ſie Dir und dem Bruder Eduard, der ſo große Fortſchritte gemacht hat, auch darinne gleich kommen und auch als Malerin entgegen treten konne.
Kaum waren wir einige Tage in Kieefeld, als ber alte Martin, der einzige von den Dienern, den wir zuruͤckgelaſſen hatten, traurig ankam, und uns erzählte, daß Annchen Tags vorher mit ihrem wie⸗ dergefundenen Vater eilig abgereiſ't ſei.
„Es kamen zwei Maͤnner,“ erzählte der Al⸗ te,„von denen der eine ſchon etwas bejahrt war. Kaum hatte Anna ſich ihnen als die Pflegetochter des Pfarrers Golding zu erkennen gegeben, ſo ſtuͤrzte der ältere auf ſie los, ſchloß ſie entzuͤckt in ſeine Arme und rief einmal uͤber das andere ganz freude⸗ taumelnd: meine Tochter, meine innig geliebte Toch⸗ ter! Dann zeigte er ihr das Portrait ihrer Mutter, welches Anna'n ſehr aͤhnlich war. Darauf mußte ich die Lady Wilmeſon ſchnell herbei holen, da ging die Freude von neuem los: man fiel ſich in die Ar⸗ me, herzte und kuͤßte ſich. Anna und ihr Vater ſchrieben dann Briefe an Herrn Schmerzing und Golding, die ſie der Lady zur Beſorgung uͤbergaben⸗ Was ſie ſonſt noch mit einander ſprachen, weiß ich nicht; Alle waren aber in großter Freude. Nach drei Stunden fuhren ſie ſchon weg. Mir trug Aennchen


