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ren, daß ſie als ein Stuͤck, als eine große Maſſe feſt vereinigt dem Zahn der Zeit noch lange Trotz zu bieten verſprachen. So entſchwand die Zeit, die hohe Mittagsſonne war laͤngſt dahin, und des Abends graue Schatten wehten und goſſen eine milde ſchoͤne Daͤmmerung auf die große herrliche Natur. Wil⸗ helm trat zu ſeinem Eduard, der an einen Felſen ge⸗ lehnt, noch immer mit verſchlungenen Armen in die weite große Schoͤpfung ſah, als wenn er den Schluͤſ⸗ ſel ſuche, der ihm die Zeit, die tief verhuͤllte Zukunft entraͤthſeln ſollte. Wie fluͤchtige Schattenbilder zo⸗ gen die Scenen ſeiner fruͤhern Jugend in ſeinem Gei⸗ ſte voruͤber und die glucklichen Jahre ſeiner Kindheit traten in ihrem reizenden Zuſammenhange vor ſeine tiefbewegte Seele. Ein Spiel des Schickſals war er, ach! noch ſo fremd auf dieſer heimiſchen Erde und haͤtte doch die ganze Schoͤpfung mit heißer Liebe umarmen moͤgen, um dies innige, menſchliche Gefuͤhl, was, wie der reine Thau im Kelch der Blume, in ſeinem ſchoͤnen unverdorbenen Herzen wohnte, aus⸗ weinen zu koͤnnen. So traf ihn ſein Freund Wil⸗ helm, eine Thraͤne zitterte an den Wimpern ſeiner Augen und in den Mienen ſeines etwas ernſten, maͤnnlich ſchoͤnen Geſichtes, druͤckte ſich Wehmuth, Schmerz, Sehnſucht und Glut ſichtbar aus.
„Ein ſchoͤner Tag,“ lispelte Wilhelm, der die Stimmung ſeines Freundes geahnet, und ihn abſicht⸗ lich deshalb allein gelaſſen hatte:„ein ſchoͤner Tag,“ ſagte er, um nur etwas zu ſagen.„Eine herrliche


