Teil eines Werkes 
3. Theil (1856)
Entstehung
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Die Engländer hatten das Schloß umzingelt. Nie⸗ mand war durch ihre Linien paſſirt. Es befremdete ſie, daß ihr Feuer ſchon lange nicht mehr erwiedert wur⸗ de. Man glaubte allgemein, daß noch eine bedeu⸗ tende Streitmacht darin hauſe, und der Ort war zu wichtig, als daß er nicht hätte genommen werden müſſen. Der General gab daher Befehl, die Wälle zu erſteigen. Dies geſchah durch einige Breſchen. Noch mehr überraſcht aber blickten die Erſten, welche auf die Mauer gekommen, vom Walle in den öden, gänzlich verlaſſenen Hof hinab, deſſen Grabesſtille der fahle Mondſchein noch ſchauriger machte. Zaudernd ſtiegen ſie hinab, vorſichtig ſchritten ſie weiter; wiederum hielten ſie ihre Schritte an, doch nirgends traf man auf Widerſtand; aus keinem Winkel, der zu einem Hinterhalte hätte dienen können, fiel ein verrätheriſcher Schuß, wie man anfänglich erwartete.

Nun machte die zuerſt eingedrungene Abtheilung Halt, und gleich darauf rückte ein Regiment mit klin⸗ gendem Spiel, unter Jubel und Siegesgeſchrei durch das von innen geöffnete Thor in den weiten Schloß⸗ hof ein, wo die Soldaten hungrig und von der Blut⸗ arbeit ermüdet Ruhe, Speiſe und Trank in den Vor⸗ rathshäuſern und Kellern für ſich und ihre auf der Wahlſtatt und am Schloſſe lagernden Kameraden zu finden hofften.

Da zuckte plötzlich ein weißgelbes Licht tief aus dem Gewölbe hervor, ein mächtiger Blitzſtrahl. Ein fürchterlicher Donnerſchlag! Der Boden zittert und reißt von einander in ſeinen Gründen erſchüttert. Der gräßliche Schall rollt ſchaurig bis an die fernſten Ufer des Sees, deſſen Wogen hochaufſpritzen. Die Thürme wanken und ſpalten ſich unter ſchrecklichem Krachen, das Haus berſtet, die Mauern fallen ein. Wie aus