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ihrem Blute getränkt. Peppy ſtand unbeweglich am Lager und hielt ihren ſtarren Blick, einer Seherin gleich, auf Sally gefeſſelt.
Bald erfüllte die laute Klage des iriſchen Todten⸗ geſanges, nach dem Gebrauche des Landes, den hohen alterthümlichen Saal, deſſen düſtre, altgothiſche Bauart, von Mondſtrahlen und Abendroth ſchauerlich dämmernd erhellt, die melancholiſche Feier noch ergreifender machte. „Gefallen iſt die Tochter Irlands, die tapfre Heldin, gefallen iſt der grünen Inſel treueſtes Kind! Wehe, wehe! ſmaragdene Inſel, wo iſt deine Perle, dein köſtliches Kleinod? Deine Tochter iſt gefallen, dein Kind iſt geſtorben, von einer feindlichen Kugel getrof⸗ fen,“ ſo tönten die Klagen.
Plötzlich rollte dumpf, wie zur Feier der trauri⸗ gen Stunde gehörig, der Donner des feindlichen, nä⸗ her an die Schloßmauer herangerückten Geſchützes; aber brauſender erhob ſich der Geſang der Krieger, bald wie der Sturm im fernen Eichenwald und wie Oſſians Schlachtenlieder wogend und in den hohen Bogen des Gewölbes verhallend, bald wie Harfentöne herabſinkend und wie Geiſterlispeln an den mächtigen Säulen und Pfeilern erſterbend.
Endlich ſchwieg der Geſang; eine kurze feierliche Stille trat ein; die Männer entblösten ihre Häupter, die Weiber knieeten um das Lager, Alle beteten.—
Nun rief Leßlie den Namen Lewis O'Donnels mit ſchwacher Stimme, und dieſer neigte ſich zu dem ſter⸗ benden Freund hinab. Leßlie flüſterte ihm lange etwas zu; Lewis wieß ihn anfangs unwillig zurück, doch ſagte er zu, als jener heftig wurde und bittende Töne ausſtieß, die jedes Herz zu beſiegen geeignet waren. Lewis erhob ſich weinend.
„Ich danke Euch, meine Freunde, Brüder, Lands⸗
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