Teil eines Werkes 
3. Theil (1856)
Entstehung
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wachten, dem Iren eigenthümlichen Mitleid auf den nächſten Divan getragen wurden. Vom Tanze ſtürzte der ſelige Burſche wieder zum Wein, und bald hatte er, den ihm unbekannten Kräften des feurigen Ge⸗ tränks erliegend, neben dem bewußtloſen Gegenſtand ſeiner Ausgelaſſenheit und Gutmüthigkeit, in demſel⸗ ben phyſiſchen Zuſtande Platz gefunden.

Der Vicekönig hatte Recht gehabt. Vergebens donnerte O'Neil dem tollen Haufen Befehle zu, ver⸗ gebens ſchlug Leßlie mit Knitteln drein; verzweifelt ſa⸗ hen Beide die koſtbare Zeit verſtreichen: der immer dichter hereindringende Pöbel gefiel ſich nur im Ver⸗ wüſten und Schlemmen. Niemand hörte auf Befehle, Niemand auf Drohungen, Niemand auf Ermahnun⸗ gen; es war eine gräßliche Verwirrung.

Zertrümmert und auch des geringſten Schattens ihrer frühern Pracht beraubt, ſtanden nach einer Stunde die Säle und Zimmer, deren Ausſchmückung für das Feſt allein ſo große Summen gekoſtet hatte, der von den Gäſten mit Bewunderung, vom Volke mit Neid betrachtet worden war.

Als es nichts mehr zu zerſchlagen, nichts mehr zu verzehren gab, gelang es O'Reil, Leßlie und den übrigen Häuptern der Verſchwörung, einen Theil des wüſten Haufens aus ſeinem Taumel zu wecken und von dannen zu führen.

Schon tobten die Gräuel des Aufruhrs, wie ein herannahender Gewitterſturm über die weite Stadt hin und ſchreckten die ruhigen Bewohner aus dem friedlichen Schlummer; ſchon ertönte das Heulen der Glocken, das Wuthgeſchrei des Volks, das immer ra⸗ ſcher ſich folgende Gewehrfeuer, als der kühne See⸗ mann, der den Muth ſeiner Landsleute nach der eig⸗ nen Beſonnenheit überſchätzt hatte, im Stande war,