Teil eines Werkes 
2. Theil (1856)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Greiſe einander umarmen zu ſehen, um für eine kurze

Zeit Abſchied von einander zu nehmen, und alles Volk ſchluchzte laut auf und weinte. Manche heulten in ihrem wahnſinnigen Schmerz wie wahnſinnig auf. Der Henker machte dieſer Scene ein Ende, indem er den ſtummen Pat ergriff, um mit ihm die Leiter zu beſteigen.

„Nur das nicht, Ihr Barbaren, wenn je ein Funke menſchlichen Gefühls Euere jetzt erſtarrte Bruſt belebt hat!“ rief jetzt der alte Dunfoore in ſchrecklicher Verzweiflung aus.„Barmherzigkeit, wenn nicht des Tigers Bruſt Euch ſäugte!“ rief er noch einmal, mit namenloſer Angſt, während die fahle Farbe des To⸗ des ſein Geſicht überzog, auf den Sherif blickend.

„Ich bitte ja nicht um das Leben des geliebten Kin⸗ des; denn der Sohn weiß eben ſo gut zu ſterben, wie der Vater für Irland und das Haus O'Don⸗ nel. Aber ſeid Menſchen nur für die Dauer weniger Minuten, und laßt mich vor ihm ſterben, damit nicht der Vater im tollen Wahnſinn über die Todesqual ſeines Erzeugten vor des Höchſten Richterſtuhl tritt, um Rechenſchaft zu fordern wegen des Blutes ſeines eignen Geſchöpfes.“ Und flehend ſtreckte er, der noch eben ſo muthige Greis, auf die Kniee ſinkend, die ge⸗ falteten Hände gegen ſeine Richter aus.

Starres Entſetzen ergriff ſelbſt die roheſten unter den Umſtehenden. Kein Laut entfloh irgend einer Lippe. Im Fieberkampf bebten die Nerven der Männer; das

Blut ſtrömte zurück in die Bruſt und drohete in die⸗

. ſem fürchterlichen Augenblick mehr als ein männliches Herz zu brechen. Nur der Blick des glühenden Au⸗ ges, welches, am Geſicht des Sherifs hängend, den Ausſpruch erwartete, zeigte, daß das Leben noch nicht bei Dunfoore entflohen war.