35
ſonſt nur die ſchlimmſten Verbrecher eingekerkert wur⸗ den, war noch verſchloſſen und unverletzt. Heimlich lachend ging der ſchlaue Pächter wieder hinauf, um den Lord über die Geiſtererſcheinung aufzuklären. Dieſer hörte ihm mit wachſendem Aerger zu und fing an, ſich ſeiner Geſpenſterfurcht und der Gebilde ſeiner tollen Phantaſie zu ſchämen, und bereuete, daß er den Gei⸗ ſtern nicht lieber zu Leibe gegangen ſei. Während ſie noch darüber redeten, ſtellte ſich Shaun Donnough ein und begann einen ſchaudervollen Bericht von der Erſcheinung der alten Frau mit der Kuh, die ihn in der verwichenen Nacht mit Frau und Kindern aus dem Hauſe getrieben. Dieſen Morgen aber vermiſſe er die Schlüſſel zu den Gefängniſſen, die er als Ge⸗ fangenwärter in Verwahrung hatte, und behauptete, ſie müßten ihm in dieſer Nacht geſtohlen worden ſein.
„Geh', ungeheurer Eſel!“ donnerte der Lord, plötzlich muthig und herzhaft geworden, den zitternden Wildhüter an,„oder ich mache Dich ſtracks ſelbſt zum Geſpenſt.“
Hierauf verfügte er ſich an ſeines getreuen Mor⸗ ries Arm ſelbſt in die unterirdiſchen Gewölbe, um Alles in Augenſchein zu nehmen. Unerklärlich blieb, weshalb die Befreier der Gefangenen erſt die Schlüſſel aus dem Parkhauſe geſtohlen, da die Thüren der Ge⸗ fängniſſe doch mit tüchtigen Werkzeugen erbrochen wa⸗ ren; ja das Räthſel wurde noch wiel dunkler, als Morries auf etwas Klirrendes trat und die Schlüſſel aufhob, da wo die Treppe hinab zu dem tiefern Ge⸗ fängniß führte.
„Ha, gewiß iſt der alte Rädelsführer der Mord⸗ brennerbande mit ſeinen Ranken auch entſprungen!“ rief der Lord in einer Art von Verzweifl ung, ergriff
3*


