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welch eine wichtige Perſon dieſer unſcheinbare verkrüp⸗ pelte Hausknecht iſt? O, er trägt an ſeinem verhunz⸗ ten Leibe den ſichtbaren Fluch einer ſchweren Schuld! Die Natur hat ihm den Stempel zweier Verbrechen aufgedrückt, an denen er ſelbſt doch unſchuldig iſt.— Wiſſen Sie nicht, wer er iſt, Mylord?“
Ihre Stimme war leiſer und heiſerer geworden; ſie hatte ihren Kopf tiefer und tiefer auf das Bett ge⸗ beugt und ſtarrte den Lord ganz nahe mit unheimli⸗ chen Katzenaugen an; ihr häßlicher Mund kam ſeinem Geſicht immer näher, und doch lag er ſtill, Angſt⸗ ſchweiß vergießend, wie feſtgebannt, und rief nicht und befahl nicht ſeinen Knechten, daß man Peppy hinaus⸗ werfe; er war dem Thiere gleich, das die Klapper⸗ ſchlange anſtarrt. Es zog durch ſeine plötzlich geäng⸗ ſtete Seele wie martervolle Erinnerungen an einſt ge⸗ träumte böſe Träume, wie Reminiscenzen arger Thaten, die ihm doch nicht klar wurden; es dämmerte aus ſchwarzer Nacht wie ſchlimme Ahnungen in ihm auf, und leiſe fragte er mit gepreßter Stimme:„Und wer iſt er denn?“
Pepph fuhr empor, beſann ſich einen Augenblick, beugte ſich dann wieder raſch zu ihm nieder, um ihm etwas zu ſagen; aber das Wort erſtarb ihr auf der Lippe. Sie ſtand wieder aufrecht, ſah einige Augen⸗ blicke nachdenkend vor ſich hin und ſagte dann diſſter in ſich hinein:„Dein böſer Genius, Kildare.“
Druck von Alexander Wiede in Leipzig.


