234
kampfempörtes Geſchrei drang ihnen nach aus der Tiefe herauf, Geheul der Verwundeten, Geſtöhn der Sterbenden, Fluchen der Streiter, mit dem ſchauerli⸗ chen Rauſchen der Waffen untermiſcht, und der Wider⸗ hall der Felſen, der all' dieſe Töne zuſammengeſchmol⸗ zen, im vielfachen Echo als dumpfes Chaos zurückgab. Schaudernd blickte O'Donnel hinab und erkannte im dünnen Mondſtrahle die Würgeſcene nur zum Theil in der Tiefe. Andere Flüchtlinge folgten auf den Lei⸗ tern nach. Da ergriff er Eliſabeths Arm und zog ſie eiig fort. Und über ſcharfe Kanten, an furchtba⸗ ren Abgründen hin, wo der Fuß kaum einen Halt hatte, an der feuchten Steinwand hingeſchmiegt, über Riſſe und Spalten ging der gräßliche Weg. Endlich rauſchte ihnen auf der andern Seite das Meer aus der Tiefe der einſamen Kenmare⸗Bay entgegen. Der Mond warf ein melancholiſches Licht über die ſtarre Landſchaft. Der Weg ging abwärts und wurde nun ſchier noch gefährlicher; Judy immer voran. Eliſabeth ſchwindelte, als ſie in die Bucht hinabſtarrte, und der vom Monde noch weißer gebleichte Silber⸗ ſchaum derſelben ihr das Auge blendete. Lewis er⸗ griff ſie unter den Armen und trug ſie kühn und ſicher vollends hinab. Aber troſtlos ſahen ſie über das rauſchende Gewäſſer der Bucht hin. Was ſollte nun weiter werden? Hier war jede Rettung fern. Verzweiflungsvoll ſtarrte O'Donnel in die Nacht und die Ferne hinaus, und Eliſabeth gab leiſe Klagelaute von ſich. Sally lief wie eine Gazelle am Felſen⸗ rande hin und war bald den Blicken der Uebrigen entſchwunden.
„Hierher, hierher!“ übertönte plötzlich ihr Ruf das Rauſchen der Wellen, und gleich darauf wurde O'Neils Stimme laut, der von den Felſen herabſtieg.


