Teil eines Werkes 
3. Theil (1856)
Entstehung
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konnte nicht begreifen, was er dieſem Geheimenrathe zu leid gethan habe.

Eines Tages wurde ſein Kerker geöffnet und er vom Profoß hervorgerufen. Da zitterte plötzlich der Flügelſchlag der Hoffnung durch ſeine Seele. Ein Sonnenſtrahl fiel in die offene Thür, ein lichter Ge⸗ vanke an Freiheit in ſeine Seele. Bebend ſchwankte er der Thüre zu. Aber ſeine Kleider waren ſo zer⸗ riſſen, daß ſein bloßer Leib überall durchblickte. Bart, Haupthaare und Nägel waren ihm über die Maßen lang gewachſen, ſein todtfahles Geſicht hatte grauer Moder überzogen, der ſich auch ſtark an die ihn um⸗ flatternden Lumpen angehängt hatte, und ſo kroch er, ſich mit den Händen an der Wand haltend denn er war ſehr ſchwach auf den Beinen heraus. Er hörte den Schrei einer weiblichen Stimme, aber die ungewohnte Helle blendete ſein Auge, die friſche Luft griff ihn ſo ſehr an, daß ihm die Sinne zu vergehen drohten. Er ſank kraftlos an der Mauer herab und ſaß am Boden. Als er ſich wieder erholt hatte, ſah er einen ſehr mit Putz überladenen Mann vor ſich ſtehen, deſſen Bruſt mit dem Danebrog- und Elephan⸗ tenorden geſchmückt, deſſen Geſicht und Auge aber ſo flach und unbedeutend war, daß ſich Norcroß kaum erinnerte, es ſchon einmal geſehen zu haben. Sechs Soldaten mit ſcharf geladenem Gewehr und auf Nor⸗ eroß gefällten Bajonetten, waren im Hintergrunde aufgeſtellt, den Geheimerath Gerd von Raben gegen die etwaigen Angriffe des gefangenen Freibeuters zu ſchützen und das Entfliehen deſſelben zu verhindern. Die Gemahlin des Geheimenraths war, bei Noreroß Anblick von Schrecken ergriffen, entflohen. Vielleicht ſchlug ſie plötzlich das lang betäubte Gewiſſen und preßte ihr den Schrei aus, welchen Noreroß noch ge⸗