Teil eines Werkes 
2. Theil (1856)
Entstehung
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Die Officiere, wüſte Menſchen, deren Freude Mord und Brand war, ſchwuren ihm Beiſtand, und es er⸗ hob ſich ein Jubelgeſchrei in der Kajüte; denn den Meiſten war der Kapitän zeither noch viel zu ordent⸗ lich geweſen, jetzt, da er Mörder und Mordbrenner zu werden verſprach, jetzt war er ihr Mann.

Nur ein paar Augen wandten ſich mit Abſchen von dieſer Gräuelſcene ab, die des achtzigjährigen Steuer⸗ manns Ebbe Reetz. Er faltete wehmüthig die Hände und lispelte vor ſich hin:Großer Gott, ſoll ich ſo kurz vor meinem Ende einer ſo abſcheulichen Sünde theilhaftig werden? O Himmel, kann ich noch länger unter einem jungen Manne dienen, der ein Königs⸗ mörder werden will? Und noch dazu der Mörder meines Königs! Ach, ich fühle jetzt mehr als je, daß ich ein Däne bin! Nein, nein! das kann ich nicht ertragen.

Der ſonſt ſo geſprächige Greis, der ſo gern aus dem reichen Schatze ſeiner Erfahrungen auskramte und inmitten des jungen Matroſenvolkes erzählend und be⸗ lehrend ſaß, wie die alte Zeit ſelbſt, war von dieſem Tage an wie verſtummt. Er ging ſelten aus dem Schiffe und brütete immer ſtill vor ſich hin. Die Matroſen ſagten:Es muß vor des alten Reetz Ende ſein; er hat ſeine Natur geändert und iſt ſtumm ge⸗ worden wie ein Fiſch. Aber eines Tages fragte Einer den Andern:Wo mag der alte Reetz ſtecken? Keiner wußte es. Einige erinnerten ſich, ihn ſchon Tags vor⸗ her vermißt zu haben.Er wird doch nicht etwa geſtorben ſein? hieß es wieder; aber da ber Kapi⸗ tän mit der geheimen Anfertigung der Brander trieb, ſo hatte Keiner Zeit, ſich beſonders um den alten Mann u bekümmern, und da er eben nicht gebraucht wurde, ſo vergaß man ſeiner. Von Tag zu Tag wur⸗