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ſchenfleiſch ſchon durch den bloßen Geruch zu unter⸗ ſcheiden.“
Dabei verbeugte ſich der Kapitän lächelnd gegen den dicken Mann, welcher gemächlich die Reſte ſeiner Flaſche verſchluckte und dann eben ſo langſam als ruhig antwortete:„Ich kenne einen Mann, der, mit Verlaub zu ſagen, alles Fleiſch vortrefflich kennt, doch
nicht eher, als bis er's unter dem Meſſer hat, und
dieſer Mann iſt, mit Verlaub zu ſagen, kein anderer, als der Schiffschirurgus, Gabriel Habermann, Euer gehorſamer Diener, Kapitän Norcroß. Der Kerl mag ausſehen wie er will, ſo laßt mich ihm nur ein Bein abſägen, oder eine Kugel aus dem Leibe ſchneiden, ſo will ich gleich ſagen— und wenn er das Maul nicht aufthäte— ob's ein franzöſiſcher Geißbock, ein däniſcher Ochs, ein deutſches Schwein oder ein eng⸗ liſcher Schöps iſt; fat applicatio, ſagen wir Latei⸗ ner
„Habt Ihr bedacht, Meiſter Habermann, daß ich ſelbſt von Geburt ein Engländer bin, und Ihr mich demnach unter jener allgemeinen Bezeichnung noth⸗ wendig mitverſtehen müßt?“ ſcherzte der Kapitän.
„Oho! bei allen Häringen der Weſtſee!“ polterte der Lieutenant und ſchlug mit beiden Fäuſten lachend auf den Tiſch.„Meiſter Habermann pflegt ſtets auf ſeine deutſche Abkunft ſtolz zu ſein, und fürwahr, ſein be⸗ liebter Vergleich trifft in keiner Hinſicht beſſer, als in Bezug auf ſeine eigene werthe Perſon.“
Der Schiffschirurgus, erſt in Verlegenheit, daß er ſich des Kapitäns ihm wohlbekannter Abkunft nicht erinnert, gerieth über des Lieutenants grobe Bemer⸗ kung in Wuth. Seit lange war er nicht in ſo hef⸗ tiger Gemüthsbewegung geweſen, die ganze Aeußerung ſeiner lebendig gewordenen Affecten beſtand aber in
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