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ling, als er ſein letztes Geld verloren hatte, das Wamms auf und griff mit Heftigkeit nach etwas, das er auf der bloßen Bruſt trug. Die ihm zunächſt Sitzenden gewahrten, mit den Augen die Bewegung des Jünglings verfolgend, eine Brieftaſche oder Etui von rothem Maroquin; die Falſchſpieler meinten, er werde aus demſelben eine Banknote hervorziehen, und ihre Geſichter verſchoben ſich ſchon zu einem grinſen⸗ den Lächeln, gleichſam zum Gruß der neuen Beute. Anch der Spion hatte das rothe Büchlein bemerkt und machte gegen den Offizier unter dem Fenſter eine halb ſreunüie halb ärgerliche Bewegung. Aber indem alle die gierigen Augen erwartungsvoll an der Hand des Zünglings hingen, ſchien dieſe von einem Starrkrampfe befallen, der ſich auch dem übrigen Körper mittheilte; denn der erſt ſo Regſame ſaß jetzt wie eine Bildſäule mit erdfahlem Geſicht und erloſchnem Auge. Zuerſt fing die Unterlippe an leiſe zu zittern, dann die Hand. Dieſe bebte bald ſo ſtark, als habe er ſie an einen Dolch zum Vatermord gelegt und in demſelben Mo⸗ mente ſei das ganze Gewicht der entſetzlichen That, die er zu begehen im Begriff ſtehe, in ſein Bewußtſein
hineingeſtürzt und erfülle ihn nun mit Abſcheu vor
ſich ſelbſt. Dieſer Zuſtand hatte unter dem ſchweigen⸗ den Staunen der Zuſchauer kaum ein paar Augen⸗ blicke gedauert, als er Etui raſch und mit einem ſchmerzlichen Seufzer wieder zurückſtieß, das Hemd darüber zog, das Wamms zuneſtelte und ſogar den Rock, der bis jetzt immer aufgeſtanden hatte, bis über den Bauch zuknöpfte, Schſem als wolle er einen theuern Schatz den profanen Blicken der ihn umgeben⸗ den Geſellſ chaft dadurch auf immer verbergen.
„Ich muß vom Spiele abtreten,“ ſagte er dann


