Teil eines Werkes 
1. Theil (1856)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

ſchwieg der Sprecher; ſie nahmen die Karten wieder zur Hand; der Jüngling verlor ſein letztes Geld, griff haſtig und mit einem verzweifelten Ausdruck in die Taſche und langte zu Aller Erſtaunen eine goldene Doſe hervor.

Ich habe kein baares Geld mehr bei mir, ſprach er deutſch, obgleich mit fremdem Accent,wie hoch taxiren die Herren die Doſe? Sie ging von Hand

zu Hand; Einer bot dreißig Reichsthaler darauf, ein

Anderer fünf mehr. So kam ſie auch in die Hand des dicken Zechers, der ſeinem vornehmen Nachbar mit Kennermiene zunickte und die Doſe hinhielt.

Ich gebe funfzig Reichsthaler, ſprach dieſer, n der junge Mann nickte Gewährung. Der Meiſtbietende zog eine von Goldſtücken ſtrotzende Börſe, und einen Augenblick darauf lag das Geld auf dem Tiſche, und die Doſe war in des Käufers Händen. Sogleich be⸗ gann das Spiel wieder; man ſchrie und tobte, und der junge Menſch verlor.

Das war nur ein Palliativ, flüſterte der Dicke.

Der Brand iſt an der Wunde; da hilft kein Schnitt. Mit der Doſe könnt Ihr das Bürſchchen gleich fangen, Kapitän. Das iſt eine Lockſpeiſe, denn er gab ſie nicht gern her.

Er takelt bald ab, brummte der Lange auf der andern Seite.Die Kerls beſchießen das Schifflein, als ob ſie mit uns im Einverſtändniß wären. Die Priſe iſt unſer. Nehmt ſie nur gleich im Namen unſers Königs in Beſitz, Kapitän.

Der Kapitän nickte beifüllig, das Gold des Jüng⸗ lings ſchwand, während Schweiß von ſeiner Stirn troff.

Unterdeſſen war das kupferrothe Geſicht wieder am Fenſter ſichtbar geworden; Einer ſchob es auf und

2