1. Eine Menſchenjalle.
Vor dem Dammthore in Hamburg in einem jener wüſten Wirthshäuſer, welche man im vorigen Jahr⸗ hundert mit dem Namen Kaffeehäuſer beehrte, obgleich ſie eigentlich nichts weiter waren, als ſchmutzige Spe⸗ lunken und Aufenthaltsorte roher Seeleute, lüderlicher Soldaten und andern nichtswürdigen Volks, in einer ſolchen Pandorabüchſe hockte ein Haufen junger und alter Geſellen um einen Tiſch, theils mit behaglichen gemeinen, theils mit abgeſpannten geiſtreichen Geſich⸗ tern, in welche das Laſter mit ſcharfem Pfluge Furchen gezogen und Todesſaat geſtreut hatte. Man ſah bald, daß ſie ein damals beliebtes Hazardſpiel, Baſſet, mit all' jener Leidenſchaft ſpielten, welche ſich nicht allein
in wilden Geberden, giftigen und fröhlichen Blicken
und geballten Fäuſten, die die eichne Tiſchplatte zu zerſplittern drohten, ſondern auch in Flüchen und Ver⸗ wünſchungen, aus deren Art man Stand und Ge⸗ werbe des Mannes abnehmen konnte, und im Genuſſe des Grogs und Branntweins kund that und augen⸗ fällig genug äußerte. In der Stube ſah's eben ſo übernächtig aus, wie in den Zügen der Spieler, ob⸗ gleich die ſpäte Herbſtmorgenſonne, gleichſam darüber verwundert, ſich Mühe gab, durch die ſchmutzigen, blin⸗ den und mit altem Papier geflickten Fenſterſcheiben zu blicken, was ihr inzwiſchen nicht ſo gelang, wie einem


