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Bewegung, als man das Geſchehene erfuhr. Unter den gröbſten Beleidigungen des Pöbels fuͤhrte man die Hugenotten durch die Haufen, die Glut der vie⸗ len Fackeln warf auf einzelne Scenen der großen Verwirrung ein gräßliches Licht.
Der Hauptmann Villoniers konnte ohngeachtet ſeines großen Abſcheues vor der Ketzerei und des fürchterlichen Augenblicks, doch ſeine wahre Natur, Galanterie gegen Damen, nicht verlaͤugnen. Er redete den jungen ſchoͤnen Ketzerinnen mit allen nur erdenklichen Troſtſpruͤchen zu, und als er die rei⸗ zende Louiſe ohnmächtig in den Armen einer Andern liegen ſah, zog er ſchnell ein Flacon voll geiſtigen Waſſers hervor, rieb ihr Augen, Schlaͤfe und Ober⸗ lippe, und als die Ungluͤckliche wieder zu ſich kam, und laut aufjammerte, richtete der theilnehmende Soldat ſeine ganze Sorgfalt auf ſie allein, und bot ihr, als der Saal leer war, hoͤflich ſeinen Arm, um ſie als ſeine Gefangene nicht in die Ba⸗ ſtille, ſondern in ſeine Wohnung zu fuͤhren, und dort einige Bekehrungsverſuche mit ihr vorzunehmen. Denn er konnte ſich nicht verhehlen, daß er an der jugendlichen graziöſen Calviniſtin ein groͤßeres Inter⸗ eſſe gefunden hatte, als einem Katholiken und vor⸗ zuglich einem ſo ſtrengen Katholiken, wie er war, erlaubt ſein durfte. Deshalb nahm er ſich vor, ſich keine Zeit und Muͤhe verdrießen zu laſſen, und alle nur möglichen Mittel anzuwenden, um dem Himmel


