— 289—
ſale in des Kaufmanns Hauſe zu ſchildern bis an dieſen Tag und fuͤgte dann noch ſeine Erfahrungen hinſichtlich Madelons Flucht aus dem elterlichen Hauſe hinzu. Staunen erfaßte den Jeſuiten, Staunen die fromme Betſchweſter.
„Und dieſe Nacht iſt Verſammlung in Gaſtine's Hauſe?“ rief der Pater freudig geſpannt.
„In ſeinem Keller befindet ſich der geheime Betſaal der Hugenotten, dort kommen ſie allwöchent⸗ lich in der Mitternacht zuſammen und genießen das Abendmahl in beiderlei Geſtalt, dort feiern ſie in einer Stunde das Michaelsfeſt, und wenn Ihr ſie huͤbſch Alle beiſamen erwiſchen wollt, Herr Pater, ſo muͤßt Ihr eilen und dieſe Gelegenheit benutzen.“
„Wohlauf, wackrer Burſch, und fuͤhre mich! Zeige mir den Weg zu jenem Schlupfwinkel. Wir wollen die ganze Schlangen⸗ und Drachenzucht zu⸗ ſammen fangen und ihr die Koͤpfe zerſchmettern. Und wenn uns der Streich gluͤcklich gelingt, ſo ſollſt Du nicht allein Abſolution und Benediction, ſondern noch obendrein ein artiges Geſchenk von tauſend Li⸗ vres haben, und zwar aus der Chatulle unſerer großen Königin ſelbſt. Triumph! Das Ketzerblut ſoll in Paris den Boden duͤngen, damit die Kirche des heili⸗ gen Petrus deſto herrlicher gedeihe.“
Der nichtswuͤrdige Bube ſprang hoch erfreut, ſeine Rache ſo ſchnell reifen zu ſehen, auf ſeine Fuße, kuͤßte ſeiner Mutter die Hand und ließ ſich von ih⸗
Storchs Fanatiker. I. 19


