239 Je naͤber wir der Hauptſadt kamen, deſto haͤu⸗ ſiger wurden Staͤdte und Doͤrfer an dem Ufer. Am
Abende landeten wir an dem Orte, wo einſt das alte Ava, die Hauptſtadt des ganzen birmaniſchen
Reiches, ſich befand. Aungwa oder Ava iſt in zwei
Cheile getheilt. Die untere Stadt, mit etwa 4 Mei⸗ len im umkreiſe, wird durch eine 30 Fuß hohe Mauer und einen Graben beſchuͤtzt. Die obere Stadt hat kaum eine Meile im Umfange, iſt aber viel ſtaͤrker befeſtigt. Wall und Mauer gerathen jetzt in Verfall. Da die Haͤuſer alle aus Holz beſtanden, ſo konnten ſie bei dem erſten Befehle, die Stadt zu verlaſſen⸗ leicht nach ummerapura gebracht werden. Doch ſieht
man noch Spuren von dem koͤniglichen Palaſte, dem
Harem u. ſ. w. Die ganze Flaͤche iſt jetzt mit Un⸗ kraut, Dornen und Bambus bewachſen. Innerhalb der obern Stadt wird der Sempel Schogunga⸗ prah noch in großen Ehren gehalten. So oft jemand ein hohes Amt erhaͤlt, muß er in demſelben den Eid der Treue ſchworen. Der Eid iſt dann ſo heilig, daß ſein Bruch auf das haͤrteſte beſtraft wird.
Nachdem wir Ava verlaſſen hatten, bot uns der Anblick der Thuͤrme und Saͤulen von Ummera⸗ purg auf der andern Seite einen angenehmen An⸗ blick dar. Tſchagaͤhn, eine ehemalige Reſideni⸗ lag noͤrdlich am Fuße eines Huͤgels mit vielen Abſa⸗ tzen, auf deren jedem ein pyramidartiger Dempel ſtand. Der ausgetretene See ſchien einen großen Fluß zu


