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Die Bewohner dieſer Inſel nennen ſich ohne Unterſchied Malegaſchen und Madekaſſen, haben im Ganzen einen vortheilhaften Wuchs, und ſind von verſchiedener Geſichtsfarbe. Letztere iſt vei mancher Voͤlkerſchaft dunkel ſchwarz, bei einer noch andern kupfer- oder olivenfarbig. Alle Schwarzen haben kurzes krauſes Haar, wie die Neger auf der Kuͤſte von Afrika, aber diejenigen von der Farbe der Indier und Mulatten eben ſo krauſes, wie die Europäer. Die Naſe der Mulatten iſt nicht einge⸗ druͤckt; ihle Lippen ſind nicht aufgeworfen. Dieſe Voͤlkerſchaften haben in ihrem Geſichte etwas Freimuͤ⸗ thiges und Angenehmes, verlegen ſich nur auf das, was zu den erſten und nothwendigſten Beduͤrfniſſen gehoͤrt, und verabſcheuen alle Kenntniſſe, welche Nachdenken erfordern. Sie ſind nuͤchtern, lebhaft, gelenkig und bringen den groͤßten Theil ihres Lebens mit Schlaf und Veluſtigungen hin.
Der Malegaſche hat, wie jeder Wilde, weder Tugend noch Laſter; fuͤr ihn macht die Gegenwart alles aus; er ilt ſchlechterdings zu kelnein Vorherſehen im Stande, und begreift nicht, wie ſich die Menſchen uͤber die Zukunft beunruhigen konnen.
Die Inſel Madagaskar iſt in verſchiedene Völkerſchaften eingetbeilt; die Anzahl ihrer Bewohner wird auf 4 Millionen geſchaͤtzt, welche Angabe aber nicht genau beſtimmt werden kann. Eine Voͤlkerſchaft beſteht aus mebreren Doͤrfern, deren jedes einen


