Teil eines Werkes 
4. Th., 3. Bdchn (1832)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

5

279 daß er ſie wieder aufſuchen werde, ließz ihren Muth nicht ſinken. Als die Tuͤrken ſich von der verheer⸗ ten Inſel zuruͤckgezogen hatten, kehrten die entflohenen Maͤnner nach ihrer Heimath zurück; der Fluͤchtling erfuhr der Gattin jetzige Lage und empfand die ſtaͤrk⸗ ſten Gewiſſensbiſſe. Sie dder hatte alle Hoffnuns laͤn⸗ geren Lebens gaͤnzlich fahren laſſen und fuͤhlte ſich an Geiſt und Koͤrper erſchoͤpft; uͤber ihren Gatten, den ſie zaͤrtlich geliebt hatte, ſprach ſie ihre Verachtung aus, wollte ihm ſeine bereuete That nicht vergeben und ihn nicht wieder ſehen. um ihr Bett ſtanden ihre Schweſtern und Verwandten. Nach deren Verſiche⸗ rung war die Sterbende niemals ſchoͤner, als vor itze rem Hinſcheiden; ſie trauerte nicht uͤber ihren nahen Tod, ſondern uͤber die Unfaͤlle, die ihn veranlaßten. Heetiſche Roſen malten ihre blaſſen Wangen und ibr

rabenſchwarzes Haar erhob deren Schoͤnheit. Aber

keine Verſoͤhnung konnten ihr reuiger Gatte und die Bitten ihrer Verwandten von der Sterbenden erin⸗ gen. Er ſollte gehen, winkte ſie mit der Hand, und wandte ihr Geſicht nach der andern Seite. Bald nah⸗ men die Beaͤngſtigungen der Todesſtunde zu, und noch einmal ſiegte die Liebe uͤber den Haß gegen den Un⸗ wuͤrdigen. Plötzlich drehte ſie ſich um, blickte mit milder Vergebung den Gatten an, legte die Hand in die ſeinige und ſtarb.

An Bord eines Schiffs franzoſiſcher Flagge ſchiffte Carne von Smyrna nach Alerandrien; ihm