252
der Mund ſehr ſchoͤn. Die Tuͤrken gehen niemals ge⸗ kruͤmmt und ihre hohe Statur, ihr langſamer Schritt, ihre weite Kleidung gibt ihnen ein majeſtaͤtiſches An⸗ ſehen. Die Tuͤrken ſitzen gerne auf Baͤnken mit weichen Kiſſen in freier Luft. Wenn man ſie ohne alle Bewegung mit dem Ruͤcken an Kiſſen gelehnt und mit einem weißen, bis zur Bruſt herabhaͤngenden Barte in Kleidern heller Farbe erblickt, ſo gleichen ſie den ehrwuͤrdigen Senatoren Roms, welche aus ihren euru⸗ liſchen Sitzen die Gallier, wie ſie in die Hauptſtadt der Welt einzogen, fuͤr Statuen hielten. Man kann aber nichts Unthaͤtigeres, als jene Tuͤrken ſehen, welche einen bunten Gebetkranz in der Hand halten und gedankenlos mit den bunten Kugeln desſelben wie die Kinder ſpielen, wobei ſie beſtaͤndig rauchen und an nichts denken⸗
Wegen ihres regelmaͤßigen Lebens, wegen der Ruhe ihres Geiſtes und ihres Mangels an ſtarken Leidenſchaf⸗ ten trifft man unter dieſem Volke ſo wenige Wahn⸗ ſinnige an. Als Carne das einzige Haus fuͤr Wahn⸗ ſinnige in Conſtantinopel beſuchte, fand er darin wenige Kranke; ihre Geiſtesverwirrung, wenn man ſich ſo ausdruͤcken darf, war ruhig und nachdenkend. Er erblickte unter dieſen Ungluͤcklichen keine Spur vol Gewaltthaͤtigkeiten oder wilder Raſerei. Ein dortiger geiſtes ſchwacher Greis hatte ſeine Freude daran, ſeine Guitarte zu ſpieien und den Fremden etwas vorzuſin⸗ gen. usbrigens wohnten die Unglucklichen in Zellen


