280
beit. Das Serail war ein etwas beſſeres Gefaͤngniß, und noch jetzt verlebt der groͤßte Theil der Hoͤflinge ſeine Zeit zu den Fuͤßen ſeines Herrn, oder auf wei⸗ chen Divans; ihre einzige Uebung beſteht darin, daß ſie eine gewiſſe Zahl von Pfeilen nach einem Ziel in ihren Gemaͤchern abſchießen. Uebrigens ſind ſie weder von Luxus noch eleganten Formen umgeben; da gibt es kein Gemälde, keine Buͤcher; nichts was der mate⸗ riellen Richtung ihrer Ideen einen hoͤhern Schwung geben koͤnnte. Da ſind nur nackte Waͤnde, einige Truhen, Saͤbel und Piſtolen trophaͤenartig aufgehan⸗ gen, und ein unbeweglich ſtehender Sklave. Zuweilen ſieht man ſie ſtumpfſinnig mit unbeweglichen Augen durch ein großes Fenſter ſtarren, durch welches ſie die Welt ſtudieren. Auf dem Schreibtiſch des Sultans ſieht man kein Kalem(Feder), kein Blatt Papier; nur wenn die Europaͤer erſcheinen, ſetzt ſich ſogleich der Lelegraph ſeiner Finger in Bewegung; die Spra⸗ che der Stummen gehoͤrt fuͤr Sklaven.
Die Teufelsbanner ſind noch uͤblich; die Derwi⸗ ſche kommen ins Serail, um kleine Wachsfiguren zu beſchwoͤren, und Achmet, der Kapudan Paſcha, glaubte, daß ſeine Waſſerſucht von einem Wieſel herruͤhre, das er im Bauch habe. Die Feſtungen am ſchwarzen Meere lagen den Großen der Pforte nur deßhalb ſo ſehr am Herzen, weil ſie ihnen als Niederlagen fuͤr die Sklavinen dienten, die ſie aus Georgien und Cirkaſſen bezogen. Endlich iſt es der Umfreis des


