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den Thron. Dieſe ganze religiöſe Lebensordnung wird ohne Zweifel auch von den heutigen Tuͤrken noch beobachtet, doch weit oberflaͤchlicher und minder ſtreng.
Die Janitſcharen, eine militariſche Verbrůderung, veranlaßten Spaltungen in der geſellſchaftlichen Thä⸗ tigkeit, verwieſen den Sultan ins Innere ſeines Ha⸗ rems und erhielten ihren Familien den beſtaͤndigen Beſitz der Lehen(Timars), die nun nicht mehr der Lohn der Tapferkeit und des Verdienſtes waren. Eine ſchwankende Toleranz gegen die Chriſten, die bald durch Gelderpreſſungen und Konfikationen verletzt wurde, bald wieder die Schulen von Chio und Tſchesmeh beſchuͤtzte, hat nicht wenig dazu beigetra⸗ Len, die Einheit des Staates zu vernichten Die Luͤrken, die in ihren europaͤiſchen Beſitzungen hoch⸗ ſtens ein Drittheil, und in ihren aſtatiſchen etwa dret Viertel der Bevoͤlkerung ausmachen, verlieren ſich unter den vier bis fünf Millionen in dem Umkreiſe ibres großen Reiches*). Die Kurden, großtentheils Yeidis, oder Anbeter des boͤſen Geiſes, und die Tur⸗ komanen ſind der Krebsſchaden Anatoliens, wo man oft 14 bis 23 Stunden reist, ohne die geringſte Kul⸗
tur oder eine andere menſchliche Spur zu treffen, als ein verlaſſenes Kaffeehaus. Die Fůͤrſtenthůmer, Ser⸗
*) Ich glaube, daß ihre Zahl bis jetzt ſehr uͤber⸗ trieben wurde.


