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Armee; ſie ſprechen ein Todesurtheil ohne weitere Berathung, als ob ſie im Felde waren, und der Sul⸗ tan befehligt das Ganze.
Gegenwaͤrtig ſind die religioſe und die Militaͤr⸗ verwaltung mit einander im Kampfez die religioͤſe, der man die großen Thaten der Vorzeit verdankt, iſt ietzt nicht viel mehr als ein Wirrwart.
Unter den Sultanen, welche die Provinzen des ſinkenden roͤmiſchen Reichs eroberten, waren mehrere, die recht gut Latein verſtanden, und den Homer und 8 die Bibel laſen. Die Politik Suleimans des Großen war minder fanatiſch als die Franz 1; an der Seite der Moſcheen verrichteten die Prieſter mit voller Freiheit den Dienſt ihrer Kirche in der Kapelle, und der griechiſche Moͤnch baute ſein Kloſter auf dem näͤmlichen Berge, wo der Derwiſch die Lampen ſeines Leke anzundete. Selbſt ietzt noch geht die katholiſche Prozeſſion unter dem Gelaute der Glocken ehrfurchts⸗ voll von turkiſchen Wachen begleitet durch die Straßen von Pera, und die Muſelmänner haben dem heiligen Grab und dem Delberg ihre Heiligkeit gelaſſen.
Bis zu Luthers Reformation ſtanden die Chriſten vielleicht weit unter den Bekennern Mohammed's; die Heere der letztern hielten Europa lange Zeit im Schach. Die Leppiche von Smyrna, die reichen Stoffe von Bruſſa, die angeriſche Wolle und die damascener Waffen, waren der Luxus unſter Hoͤfe und Schlöſſer. Im ganzen Morgenlande ſah man
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