Teil eines Werkes 
4. Th., 1. Bdchn (1831)
Entstehung
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Anzahl iſt ſehr groß, alle Klaſſen der Geſellſchaft ſitd davon voll, beſonders die niederen noch mehr, als die hoheren. Faſt alle Stallknechte und Laſttraͤger ſind Emirs. Sein Kleid hat keine Knoͤpfe, wenige an den Aermeln ausgenommen. In dem Shawlguͤrtel ſteckt ein langes, krummes, reich mit Silber beſchlagenes Meſſer. Als er eine Pfeife verlangte, brachte man ihm eine mit Waſſer gefuͤllte Flaſche nebſt einer viel⸗ leicht zwei Ellen langen Roͤhre, das die ſogenannte perſiſche Pfeife(Nargile). Man bekoͤmmt den Dampf kalt in den Mund, und er hat nach der Verſicherung des Tuͤrken bei der ſchmelzenden Tageshitze eine ſehr erfriſchende Kraft. Dabei ſoll aber die Lunge leiden, und dieſe Art zu rauchen, die Geſundheit untergraben.

Auch ſah ich Derwiſche, welche im Namen des barmherzigen Gottes um Almoſen flehten. Die Der⸗ wiſche ſind tuͤrkiſche Bettelorden, wohnen in einem

Gebaͤude beiſammen, welches ziemlich das Bild unſerer

Klöſter iſt. Ihr perſiſcher Name bedeutet Thuͤr⸗

ſchwelle, und ſoll hier die vor der Chuͤrſchwelle

ſtehend bleibende Demuth bezeichnen. Sie leben vom Almoſen, ſind unverheirathet, eſſen gemeinſchaftlich, aber nur wenig, trinken ſparſam und ſollen Nachts

nur drei Stunden ſchlafen, die uͤbrige Zeit aber mit

Gebeten und Leſen zubringen. Zu Konſtantinopel⸗ wo ſie ein Kloſter haben, ſchaute ich ihren Ceremonien mit eigenen Augen zu. Der Verſammlungsort ihrer Froͤmmigkeit befindet ſich bei jedem Kloſter und iſt ein