Teil eines Werkes 
4. Th., 1. Bdchn (1831)
Entstehung
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hen. Fuͤr das Gepaͤck ſind eigene ruͤſtige Karavan⸗ Pferde auserkoren. An beiden Seiten haͤngen große lederne Saͤcke(Churtſch), deren jeder uͤber 6o Okka (eine Okka betraͤgt 2 /4 Pf.) wiegen mag. Unter dieſer Buͤrde muß das arme Thier mit den Reiſenden fortgallopiren. Mit einem Poſtfirman verſehen erhaͤlt der Reiſende Lebensmittel unentgeldlich; ohne dieſen muß er ſich ſelbſt verkoſtigen. Das Nachtlager muß man auf einem halb verfaulten Fußboden nehmen.

Auf dem Wege von Rutſchtſchuk nach Kon⸗ ſtautinopel iſt von der Vorzeigung der Paͤſſe nie die Rede. In einer guten Entfernung von Rutſch⸗ tſchuk ſahen wir bald die Gegend, wo das alte Cſernovada geſtanden haben ſoll, aber nichts mehr von ihren Tempeln und Palaͤſten.

Nach 12 Meilen erreichten wir die naͤchſte Sta⸗ tion Rasgradz ſie heißt auch Heſargrad, iſt nicht groß, aber ziemlich belebt, und ausgezeſchnet durch ſeine maſeſtätiſche, aus Quaderſteinen aufgefuͤhrte Moſchee mit zwei hohen, ſchoͤnen Minarets. Auf dieſen wird des Tages fuͤnfmal zum Gebete gerufen, und zwar in ſolchen Loͤnen, als kaͤmen ſie aus Kna⸗ benkehlen; je hoͤher es die Schreier treiben, deſto mehr werden ſie geſchaͤtzt. Sie wenden ſich nach den vier Himmels⸗Gegenden, und rufen auch die Tages⸗ Stunden aus. Wir ritten in das Poſthaus, wo ich mich unter nichts als Luͤrken befand, welche ernſthaſt und feierlich ſitzend, Tabak rauchen und Kaffee trin⸗

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