Teil eines Werkes 
4. Th., 1. Bdchn (1831)
Entstehung
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Niemand darf aber in ſeinem Hauſe oder in ſei⸗ nem Dienſte irgend einen Saͤnger oder Muſiker unter⸗ halten. Nur dem Monarchen allein iſt dieſe Freiheit geſtattet. Faſt alle Sultane haben zwei Korps Muſi⸗ kanten, eines unter ihren Itſch⸗Aghaſſi's(Serails⸗ Pagen), das andere unter den Sklavinnen des Ha⸗ rem, welche ſowohl den Sultanen als den Kadinen und Sultaninnen dienen muͤſſen. Noch jetzt iſt eine Art von Etikette, daß, wenn der Sultan in den Kiosk's der Serails⸗Gaͤrten Tafel haͤlt, ſein Drche⸗ ſter ihm dahin folgt, und zu jeder Stunde faſt ver⸗ ſchiedene Muſikſtuͤcke auffuͤhrt.

Die Inſtrumental⸗Muſik beſteht in einer kriege⸗ riſchen, und iſt eigentlich nur fuͤr das Feld beſtimmt⸗ und in einer minder geraͤuſchvollen, welche mehr fuͤr das Zimmer eingerichtet it. Erſtere iſt ganz erlaubt, letztere findet nur unter den erwaͤhnten Vorſichts⸗ Maßregeln ſtatt. Außer dem Sultane beſitzen auch der Großvezier, der Kapudan Paſcha, die Generale und alle Paſchen der Provinzen ihre eigene militaͤriſche Muſik. Alle ſpielen in den Beirams⸗Feſten, und bei allen oͤffentlichen Freuden⸗Bezeugungen.

Niemals hoͤrt man indeſſen Muſik in den Dſcha⸗ mien und Moſcheen, oder bei irgend einer oͤffentlichen Religions⸗Uebung. Hierher gehoͤren aber nicht jene beſondern Zeremonien verſchiedener Derwiſch⸗Drden⸗ welche Muſik bei ihren religioͤſen Taͤnzen zulaſſen; ſie werden nur durch die Nachſicht der Regierung geduldet.