Teil eines Werkes 
4. Th., 1. Bdchn (1831)
Entstehung
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Mit Recht nennen die Reiſebeſchreiber den Beiram Karneval der Luͤrken, dies iſt die wahre Fa⸗ ſchingszeit der Muſelmaͤnner. Doch bleibt der aͤchte Muſelmann immer derſelbe, und uͤberlaͤßt dem Poͤbel die Ausbruͤche des Jubels, die lauten und oft aus⸗ ſchweitenden Freuden⸗Bezeugungen, und die rau⸗ ſchenden Ergoͤtzungen. Ausgelaſſen luſtig ſich zu zei⸗ gen, haͤlt der Tuͤrke vom Stande unter ſeiner Wuͤrde; weder Muſik noch Tanz, Schau⸗ und Hczardſpiele, ſondern nur ſtille Vergnuͤgen haben fuͤr ihn Reiz.

Die Frauenzimmer genießen waͤhrend des Beiram beſondere Freiheiten. Man ſieht ſie niemals haͤufiger auf den Straßen, oͤffentlichen Plaͤtzen und Spazier⸗ gaͤngen, als in dieſer Epoche, und ſelbſt Vornehme in wohlgeſchmuͤckten Fuhrwerken machen die freudige Stimmung anſchaulich, in welcher man ſich befindet. Die Tuͤrkinnen kommen in dem Beirams⸗Monat, wie die Maͤnner, haͤufiger zuſammen, als in den uͤbrigen, halten zahlreiche Geſellſchaften, begeben ſich nach ver⸗ ſchiedenen Luſtoͤrtern außerhalb der Stadt, oder gehen in den Straßen ſpazieren.

Am erſten Tage des Beiram wuͤnſcht jeder, wie bei uns am Neujahr, dem andern viel Gluͤck. Begeg⸗ net ein Luͤrke dem andern, ſo ſagt er zu ihm: Bei⸗ ram bark, welches einen Wunſch zu einem gluͤckli⸗ chen Feſte bedeutet. Freunde und Verwandte uͤber⸗ ſchuͤtten einander mit Segens⸗Wuͤnſchen. Dieß iſt auch die einzige Gelegenbeit, bei welcher allgemeine