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daß er bei dem Landen zu Spezia kaum von dem Schiffe ſich an das Ufer zu begeben vermochte. Fruͤher war Muͤller um ſeinen Gefährten be⸗ ſorgt, jetzt durfte er es um ſich ſeyn. Er war froh, nicht in dem Lager krank geworden zu ſeyn, um nicht gleich andern Kranken in Muliny's feuchten Kellern ſeinen Geiſt aushauchen zu müſſen. Da ſie gerne et⸗ was Warmes zu ſich genommen haͤtten, beſchloßen
beide Freunde in die Stadt zu gehen. Alle 6 Schritte
aber mußten ſie ausruhen; und doch gingen die Grie⸗ chen gefühllos vorüber. In der Stadt ſelbſt wurden ſie von nächtlichen Raͤubern angefallen und Muͤller wurde ſeines Dolches beraubt.
In Hydrn verſchlimmerte ſich der Zuſtand bei⸗ der Freuͤnde. Beide mußten das Lager hüten. In einer Stube, eine Stiege hoch, mir 3 Fenſtern ohne Scheiben, einer Bank und einem kleinen Bretter⸗ Tuffatze zum Llegen, ſollten ſie geneſen. Es war keine Feuerſtätte, keine Spreu vorhanden, Winde und Kälte drangen durch die offenen Fenſter. In die Maͤntel gehullt, ihre Saͤcke unter dem Kopf, lagen ſie, von allen Menſchen verlaſſen. Da ſchickte Gott einen ret⸗ tenden Engel in der Perſon eines deutſchen Juweliers⸗ Franz mit Namen. Dieſer pflegte der Reiſenden ſo viel er konnte, und brachte ihnen die ärztliche Huͤlfe des Doktors Leander, welchem Müller ſein Leben zu verdanken hatte.
um dieſe Seit kam die große Expedition der deutſchen Legton zu Hydra an. Aber wie ſchauderte ieder bei dem Eintritte in das Zimmer der Franken. Einige drückten gerührt die Hände der Kranken, andere blickten ſtaunend nach dem Ungeziefer⸗ welches an ihren Uniformen herum kroch. Das Mit⸗ leid auf allen Geſichtern und die herzliche Theilnahnte aller an dem traurigen Zuſtande der Kranken vührte dieſe bis zu Thraͤnen. Lohmann aus Sremen,
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