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wordene Longwood zu beſuchen, wo Napoleon ſeine glaͤnzende Laufbahn in freudenloſer, oͤder Ein⸗ ſamkeit beſchloß. Muͤhſam ſchlaͤngelte ſich der Weg an einen faſt ſenkrecht aufſteigenden Felſen hin. Un⸗ gefahr eine deutſche Meile von der Stadt fuͤhrte ein ſchmaler Steg den Abhang hinunter in gein kleines, von Huͤgeln umringtes, keſſelfoͤrmiges Thal, wo die Ueberreſte Napoleons ruhten. Ein alter Invalide, deſſen einſame Huͤtte in der Naͤhe des Grabes ſteht, und der es bewacht, kam Kotzebue entgegen, und fuͤhrte ihn zu dem, von einem niedrigen Gitter um⸗ gebenen, ſchmuckloſen, flachen Leichenſtein, den fuͤuf Trauerweiden beſchatten, aber keine Inſchrift bezeich⸗ net. Der Invalide fuͤllte aus einer nahen Quelle eine ganz gemeine irdene Kanne mit ſchoͤnem klaren Waſſer, und reichte ſie ibm mit der Bemerkung, daß Napoleon, bei ſeinen Spatziergaͤngen hieher, ſich mit dieſem kalten Waſſer aus dem naͤmlichen Geſchirr iu erquicken pflegte. Es war im Leben ſein Wunſch, euſt hier begraben zu ſeyn, welcher auch erfüllt wurde. Eine deutſche Meile weiter in einer unwirthbaren Gegend zeigte man ihm auf einem der hoͤchſten Hů⸗ gel Longwood, die ehemalige Wohnung Napo⸗ leons, aus der jetzt die Engländer einen Pferdeſtall gemacht haben.
Nach neun froh verlebten Tagen ſegelte Kotze⸗ bue wieder von St. Helena ab, und durchſchnitt ſchon am 16. den Aeguator jn der Laͤnge von 22 37.


