Teil eines Werkes 
3. Th., 3. Bdchn (1831)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

335

Die Nacht vorher iſt ein wahres Volksfeſt, wo der Tuͤrke, und ſelbſt der erdruckte Araber ſein ernſtes Aeuſ⸗ ieres ablegt. Kanonenſchuͤſſe kuͤndigten den Moment an, in Gegenwart des Kiaija⸗Bey, Prinzipal⸗Mi⸗ niſters des Vzekonigs, welcher, gegen die Stelle des Durchſtichs uͤber, mit ſeinen Wachen Platz nahm. Eine Menge Araber ſtachen den Teich an der Stelle des kuͤnftigen Abſluſſes nieder, welcher wie ein Waſ⸗ ſerfall aus mehreren geoͤffneten Muͤndungen ausbrach. Nach altem Brauch warf der Miniſter eine betraͤchtli⸗ che Summe Geldes in das Bett des Canals, durch den der Nil abfloß.

Ungeachtet des ſteigenden Waſſers fiſchte man doch ſo lange, als die Hoͤhe des Waſſers es irgend erlaubte. Jaͤhrlich ſinden bei dieſem Geldſiſchen im⸗ mer einige Perſonen den Tod. Da das Austreten des Nils ein gluͤcklicher Prophet einer geſegneten kuͤnfti⸗ gen Erndte iſt, ſo beeifert man ſich, das erſte aus⸗ ſroͤmende Waſſer zu trinken und ſich darin zu waſchen. Täglich ruͤckt die Ueberſchwemmung in vorherige, duͤrre Sandgruͤnde vorwaͤrts. Je hoͤher die Ueber⸗ ſchwemmung ſteigt, je lauter dankt man Allah fuͤr den verbreiteten Segen.

Von beiden Geſchlechtern werden in Cairo die warmen Bäder haͤufig beſucht. Fuͤr manchen Europa⸗ er iſt ein ſolches Bad eine Art Tortur. Im erſiten Zimmer, das ſo heiß iſt, daß der Schweiß aus den Poren ſroͤmt, nimmt man ein Dunſbad, dann folat

64. Bd. Aegypten, III, 3 7