266
erprobt iſt, werden die Juͤngern bekannt gemacht mit den Geheimniſſen der Kaſte. Einige Tage vorher, ehe die Caravane von Mekka Cairo verlaͤßt, am Tage der Geburt des Propheten, durchtiehen die Pſyl⸗ len in Prozeſſion die Straßen der Stadt(eben ſo wie in Roſette, welche Stadt dasſelbe Vorrecht bat), indem ſie große Schlaugen am Halſe haͤngen baben und Gebete und religioſe Gefaͤnge herſagen. Sie werden bei dieſer Gelegenheit in einem ſolchen Grade begeiſtert, daß ſie oft in eine Art von fanati⸗ ſcher Wuth verfallen. Sie beißen die Schlangen und zerreißen ſie mit den Zaͤhnen, indem ſie unter convul⸗ ſiviſchen Bewegungen ein furchtbares Geheul und Ge⸗ ſchrei erheben, bis ſie erſchoͤpft von der Anſtrengung, den Mund mit Schaum bedeckt, halbtodt zu Boden fallen. Das Volk, welches dieſe Menſchen fuͤr Heilige baͤlt, umringt ſie daun und hauptfächlich die Weiber beeilen ſich, dieſen koſtbaren Schaum zu ſammeln, indem ſie glauben, nach dem Verſchlucken desſelben geradewegs in das Paradies zu kommen.
Ich hatte in Cairo Gelegenheit, von einer an⸗ dern Art von religioͤſem Fanatismus Zeuge zu ſeyn. Eines Tages hoͤrte ich naͤmlich mehrere Stunden hin⸗ ter einander in unſerer Naͤhe einen einfoͤrmigen, er⸗ müdenden Geſang. Als ich mich nach der Urſache er⸗ kundigte, ſagte man mir, es waͤre einer der Der⸗ wiſche oder tuͤrkiſchen Moͤnche, die, auf den Ferſen tanzend, das Wort Allah immer wiederholten„bis


