25⁰
maleriſch am rechten ufer des Nils. Seine Haͤuſer, zur Haͤlfte in Gruppen von Palmen verſteckt, einige Gräber von Heiligen, die nicht weit vom Orte lagen, die niedliche Geſtalt der von den letzten Strahlen der ſcheidenden Sonne vergoldeten Minarets wuͤrden einem geſchickten Maler einen reizenden Gegenſtand bieten, nie indeſſen wuͤrde ein Pinſel, ſelbſt der Claude Lor⸗ dain's nicht, dieſe violette magiſche Beleuchtung wie⸗ dergeben koͤnnen, welche ſich uͤber alle Gegenſtaͤnde nach dem Untergange der Sonne verbreitete, und in einem durchſichtigen Nebel die Ferne in der Atmosphaͤre ver⸗ ſchwimmen ließ.
Das Waſſer des Nils iſt trube und rothbraun; sur Zeit der Ueberſchwemmung fuͤhrt er viel Schlamm, Thonerde und Salpeter bei ſich, welche, auf den Fel⸗ dern abgeſetzt, viel zur Fruchtbarkeit des Bodens bei⸗ tragen. Wenn ſein Waſſer rein iſt, hat es einen ſehr angenehmen Geſchmack; die Eingebornen ſchreiben ihm beilſame Eigenſchaften zu. Die religioͤſe Verehrung, welche ſi fuͤr dieſen Fluß hegen, den ſie mit ſo vie⸗ lem Grunde den Wohlthaͤter ihres Vaterlandes nen⸗ nen, haben ihnen ihre Voraͤltern, die alten Aegyp⸗ ter, uͤberliefert. Vor Zeiten herrſchte der barbariſche Gebrauch, daß immer eine Jungfrau, die man der Ehre wuͤrdig hielt, die Gattin des Nils zu werden, ertraͤnkt wurde. Dieſer unmenſchliche Gebrauch hat aufgehoͤrt; aber da der Nil noch immer einer Gattin bedarf, ſo macht mau zu dem Ende eine Geſtalt aus


