Teil eines Werkes 
3. Th., 2. Bdchn (1829)
Entstehung
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diente ſeines Serails, alle reich gekleidet, und ſeine mit Diamanten und andern Edelſteinen verzierten Tur⸗ bane tragend. Auf beiden Seiten der Straße ſtanden Janitſcharen in Reihe und Glied, mit einem ſo laͤ⸗ cherlichen als unanſtaͤndigen Kopfputze. Bei ſeinem Vorbeireiten verneigte ſich von Zeit zu Zeit der Sul⸗ tan vor dem Volke, welches ſich bei ſeiner Annaͤherung vor ihm niederwarf.

Der Kislar Aga, das Haupt der Verſchnittenen, verrichtete den Dienſt in der Moſchee, und wurde von dem Sultan mit einem koſtbaren Pelze und einem reichen Kaftan beſchenkt. Der Sultan theilte auch andere Kaftans aus, deren Werth ſich nach dem Range derienigen richtete, fuͤr welche ſie beſtimmt waren.

Der damals regierende Sultan Selim UI. war bei ſeinen Unterthanen außerordentlich beliebt. Er ſtammt von dem Hauſe Osman's ab, welcher im XIII. Jahrhunderte die fuͤnfte Dynaſtie des Kaliphen errichtete. Er beſaß, vermoͤge ſeiner Erziehung, einen ſehr gebildeten Verſtand, und hatte eine Kenntniß von der Politik der aufgeklaͤrteſten Staaten Europas ſich verſchafft. Sein Charakter war gefaͤllig und leut⸗ ſelig, ſeine Geſichtsbildung ſchoͤn und voll Ausdruck⸗ ſein Geſicht wohl proportionirt, und ſein Blick ſloͤßte Ehrfurcht ein. Er fuͤhrte in ſeinem Reiche ver⸗ ſchiedene Neuerungen ein, und war ein eifriger Freund der franzoͤſiſchen und engliſchen Taktik.

Nach dem Aufzuge nahmen wir bei unſerm Wir⸗