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antwortet. Je nachdem die Anverwandten reich oder arm ſind, wandert ſie in die Hoͤlle, oder ins Paradies. Nun ruft der Mollha den Verſtorbenen dreimal mit ſeinem Namen, um zu erfahren, ob ſein Geiſt den Koͤrper verlaſſen habe, oder nicht; erhaͤlt er keine Ant⸗ wort, ſo laͤßt er die Verſammlung aus einander gehen. Bemerkt zu werden verdient, daß die Tuͤrken, wenn ſie die Todten nennen, nie den Namen des Va⸗ ters vom Todten, ſondern den ſeiner Mutter fuͤhren und rufen. Vor Gott, ſagen ſie, darf man nicht be⸗ trugen: die Mutter iſt gewiß, aber vom Vater kann man nicht daſſelbe behaupten. Nach dieſen Proben hat aber die Seele noch eine andere und ſchrecklichere zu beſtehen. In das Paradies fuͤhrt eine Bruͤcke, die hoͤchſtens ſo breit, als ein Haar dick, unter welcher
ſchreckliche Abgruͤnde ſind. Ueber dieſe Bruͤcke muͤſſen
die Seelen, auf einem von den Hammeln reiten, welche die Tuͤrken jaͤbrlich bei ihren Dpfern darbrin⸗ gen; denjenigen, die eine große Zahl geopfert haben⸗ kommt eine große Zahl dieſer Thiere auch entgegen⸗ die ſehr ſtark und ſchnellfuͤßig ſind; bei dem Anfange der Bruͤcke aber treffen die andern, nur ſchwache, ſchwerfaͤllige, und wenige Hammel an. Daher ſtuͤrzt eine große Menge Seelen in den Abgrund hinab, wo ſie auf ewig verſchlungen ſind.
Das Paradies der Mahomedaner iſt mit allem ausgeſchmuckt, was die Phantaſie Verfuͤhreriſches und Wolluͤſtiges erdenken kann, mit Brunnen, Lauben,


