Teil eines Werkes 
3. Band (1866)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

158

folgt. Nachdem er dieſen letzten Liebesdienſt dem großen Freunde Ungarns geleiſtet, löſte er ſein getreues Häuflein ſelbſt auf und rieth den braven Leuten, in ihre Heimat zurückzukehren bis auf beſſere Zeiten.

Für Gtelka hatte Stephan einen eigenhändigen

Brief von Koſſuth mitgebracht, den letzten, welchen dieſer auf ungariſchem Boden geſchrieben. Er ſprach darin den Dank ſeines Herzens ſowie den des Vaterlandes für ihre Treue und Opferfreudigkeit aus, tröſtete ſie ob der umnachteten Gegenwart und ſchloß mit der freu⸗ digen Zuverſicht, daß troßz des jetzigen ſcheinbaren Unter⸗ ganges Ungarn doch nicht verloren ſei.

Ein theureres Vermächtniß als dieſer Brief konnte der jungen Patriotin nicht werden.

Stelka hatte die Einzelnheiten über die Kataſtrophe von Vilagos mit ſcheinbarer Ruhe vernommen, aber ihr Herz war darüber gebrochen. Ihre Wangen bleichten ſichtbar von Tage zu Tage.

Graf Stanislaus ertrug den Schmerz des Vater⸗ landes mit der Würde des Mannes.

Stephan beſchloß für die nächſte Zeit die Einſam⸗ keit von Bardy⸗Caſtell mit Vater und Schweſter zu theilen, da er als Rittmeiſter von der politiſchen Ver⸗ folgung, welche nur die höhergeſtellten Heerführer traf, aus⸗

geſchloſſen blieb.