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Sie legte ihre dürre Hand auf das Haupt des Enkels.
„Der Allmächtige ſegne Dich!“
Es waren die letzten Worte, die ſie mit Bewußt⸗ ſein ſprach, denn alsbald verſank ſie wieder in jenen traumähnlichen Zuſtand, in welchem Bilder der Vergangen⸗ heit und Zukunft an ihrem innern Geſicht vorüberzogen. Ihre Lippen bewegten ſich, doch nur unzuſammenhängende Worte wurden vernehmbar. Wiederholt ſprach ſie leiſe die Namen Etelka und Imre aus.
Als Stephan den Schloßberg hinabritt und bei dem erſten Kreuze vorüberkam, erinnerte er ſich der Worte der Greiſin und legte ſein Geſchick in die Hand des All⸗ mächtigen. Bald hatte er das kleine Thaldörfchen erreicht, aber Niemand begegnete ihm. Alles war wie ausgeſtor⸗ ben. Die Schornſteine rauchten nicht, durch die Küchen⸗ fenſter leuchtete kein Feuer. Die Häuſer waren verſchloſſen. Kein Glockengeläute, kein Geſang ertönte. Die Bewohner waren ausgezogen mit Weib und Kind. Waren ſie ge⸗ flüchtet vor der Rache der Magyaren oder hatten ſie ſich jenen Mord⸗ und Raubbanden angeſchloſſen, die ver⸗ heerend das geſegnete Land durchzogen?
Es war Abend geworden. Ueber die Thäler ſenkte ſich ein leichter, durchſichtiger Nebel. Stephan ritt in der einſamen, ſchweigenden Gegend dahin. Er gedachte noch vor Morgengrauen Klauſenburg zu erreichen.


